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Gelddenker

Intro zum Autor Aldo Haesler

 

neuste Liste (in Bearbeitung)

Abraham, Karl (1877-1925), im Gefolge von Sigmund Freuds erster Beschäftigung mit Geld in seinem Aufsatz „Analerotik und Charakter“ hat A. mit Sandor Ferenczi die nahe Verbindung des Geldes mit dem Analkomplex in Zusammenhang gebracht. Diese heikle These, Geld- und Fäkalretention in Analogie zu setzen, ist heute umstritten, bleibt aber ein produktiver Ansatz in der Psychoanalyse. 

Adorno, Theodor W. (1903-1969), für den wichtigsten Vertreter der ersten Frankfurter Schule, ist Geld das Grundübel der „verkehrten Welt“ des Kapitalismus, weil es konkrete menschliche Arbeitskraft gegen das abstrakte Mittel Geld austauscht. In seinem wichtigsten Werk, Negative Dialektik (1969), übernimmt er dazu Alfred Sohn-Rethels Argumente zum Prozess der Tauschabstraktion. (KP)

Aglietta, Michel (1938), gehört zur Schule der französischen „Regulationisten“ (s. Boyer) und ist einer der führenden Makroökonomen Frankreichs. Geld ist für ihn ein soziales Band, das zwischen den beiden Polen Gewalt (violence) und Vertrauen (confiance) oszilliert. Sein Gewaltsbegriff ist sehr dem Komparatisten René Girard verpflichtet. Er erklärt sehr brisant die Entstehung von Börsenpaniken, indem er Girards Mimetismus (weil ich meinen Wunsch an den Wünschen Anderer ausrichte, bringe ich einen mimetischen Prozess in Gang, der nur durch ein willkürliches Opfer wieder beruhigt werden kann) auf die Finanzwelt anwendet, gibt er Keynes‘ Erklärung dieser Paniken (als Nachahmungsprozess) mit nachfolgender Wertzerstörung ein besonderes Relief.

Alvi, Geminello (1955), italienischer Ökonom, war längere Zeit Assistent des BIZ-Präsidenten; verfasste als einer der ersten (nebst Mark Shell und Hans-Christoph Binswanger) eine der ersten ökonomischen Interpretationen von Goethes‘ Faust II. Durch die Anthroposophie beeinflusst, verfasst er spannende Bücher über die amerikanische Welthegemonie, darunter über die legendäre Figur des J. Pierpont Morgan. Wichtiger Kolumnist im Corriere della sera.

Amato, Massimo (1963), italienscher Wirtschaftshistoriker und Philosoph, hat mit Luca Fantacci die vierbändige Reihe La moneta: storia di un’istituzio mancata (2005-2010) herausgegeben. Der Kapitalismus sei eine Marktwirtschaft mit einem überflüssigen Markt, dem Finanzmarkt, wahres Grundübel dieser Wirtschaftsform, weil es die Debitoren-/Kreditoren-Beziehungen vermarkte. Beide arbeiten an monetären Alternativprojekten unter dem Motto: wie der Markt vom Kapitalismus befreit werden kann.

Amonn, Alfred (1883-1962), österreichischer Nationalökonom, hat den grössten Teil seiner Karriere in Fribourg (Schweiz) absolviert und war ein moderater Verfechter der Österreichischen Schule (und seiner Geldkonzeption). Wie fast alle seine Kollegen aus den 1950er Jahren, fasste er Geld noch als Tauscherleichterungsinstrument auf, war aber als Ordoliberaler ein Befürworter einer normsetzenden Zentralbankpolitik. Steht hier lediglich als Beispiel (unter vielen) eines Mainstream-Ökonomen, der dem Geld ceteris paribuseine, wenn auch stark begrenzte, reale Wirkung zugedacht hat. (KP)

Anderegg, Ralph (1943), schweizerischer, in Köln lehrender Ökonom, Autor eines der besten deutschsprachigen Bücher über Geldtheorie; besser als Issing und Jarchow, weil er die Dogmengeschichte darin integriert. (KP)

Arnoldi, Jakob (1970), dänischer Management-Professor, Spezialist für Risikomanagement, insbesondere high frequency trading, hat als erster auf die Formel von Black und Scholes-Formel hingewiesen, die den Handel mit Derivaten ermöglichte und damit die Grenze zwischen Investitionen und Glücksspiel verwischte – oder wie es ein Banker im Buch ausdrückt: „Mit Derivaten handeln ist, wie auf Pferde zu wetten.“ (KP)

Ariely, Dan (), amerikanisch-israelischer Verhaltensforscher, der sich in der Forschung der Schmerzlinderung ausgezeichnet hat; darunter auch im Schmerz der Zahlung (pain of paying), wo er nach Methoden sucht, diesen Schmerz zu lindern. In Rahmen einer cashless societyscheint dies zumindest ein paradoxes aber rentables Vorhaben zu sein. 

Aristoteles(384-322), griechischer Philosoph, der als erster auf die Chancen und Risiken des Geldes aufmerksam gemacht hat. Geld ist das Tauschmittel par excellence einer arbeitsteiligen Gemeinschaft; wird es aber zu einem Zweck, so löst es diese Gemeinschaft auf.  

Azpilcueta, Martin de(1491-1586), spanischer Jurist, wichtigster Exponent der Schule von Salamanca, hat als einer der ersten die Konsequenzen des massiven Zuflusses amerikanischen Edelmetalls untersucht und gilt (mit Kopernikus und Jean Bodin) als Begründer der Quantitätstheorie. (KP)

Backhaus, Hans-Georg (1929), einer der bedeutendsten Interpreten der Marx’schen Wertlehre, dessen Dekonstruktion in den 1970er zur massgeblichen Krise des Marx’schen Systems geführt hat. Seit Böhm-Bawerk (s. Böhm-Bawerk) ist Marx‘ Werttheorie die Achilles-Verse des Marx’schen Systems. (KP) 

Baecker, Dirk (1953), ein Schüler des bedeutendsten Systemtheoretikers Niklas Luhmanns, der im Rahmen seiner Systemtheorie eine Wirtschaftssoziologie entwickelt hat, in welcher Geld als Zahlung die systembildende Kommunikationsform darstellt: Geld ermöglicht, Knappheit zu beobachten, wiewohl auch die anderen Beobachter (Beobachttung zweiten Grades). Wie Norbert Bolz plädiert er für eine nüchterne – hier aber systemtheoretisch artikulierte – Gesellschaftsanalyse, für das, was er eine „postheroisches Zeitalter“ nennt, d.h. für die Aufgabe revolutionärer Horizonte und eine möglichst wertfreie Betrachtung (Beobachtung) dessen was geschieht und im Rahmen der Subsysteme (mit ihren je eigenen Medien), in denen es geschieht. 

Bagehot, Walter(1826-1877), englischer Journalist und Schriftsteller, hat in seinem Buch Lombard Street(1873) als erster das moderne Bankensystem beschrieben und dabei die Rolle gegenüber der Klassik reevaluiert, indem er das wichtigste merkantilistische Argumente neu formulierte: nebst menschlicher Arbeit, ist die allgemeine Wohlfahrt (common wealth) nur durch eine gesicherte Kapitalbasis und dessen Umlauf vorstellbar. Bagehot hat auch The Economistzu dem gemacht was sie ist: die führende Wirtschafts-Zeitschrift der Welt.     

Balzac, Honoré de (1799-1850), gibt es einen unsichtbaren Helden in all seinen Romanen, so ist es das Geld. Balzac ist ohne Zweifel der wichtigste Romancier des Geldes des 19. Jahrhunderts. Alle Geldcharaktere sind in seinem Werk vertreten. Doch der „doux commerce“ wird bei ihm zur Gier und Habsucht. Dass Geld und Gier den Charakter verdirbt ist bei B. ein durchgehendes Motto. Wolfgang Pohrt hat dazu ein interessantes Buch geschrieben: Honoré de Balzac. Der Geheimagent der Unzufriedenheit(1982). 

Bammé, Arno(1944), deutscher, an der Universität Klagenfurt arbeitender Soziologe und Wissenschaftshistoriker, hat in seinem monumentalen Werk, Hommo occidentalis (2011), mit Bezug auf Sohn-Rethel den „Fetisch Geld“ als wichtigste zweite Zäsur der Okzidentalisierung dargestellt, insbesondere mit der Synchronie zwischen Alphabet und Münzgeld, die beide das „griechische Wunder“ bewirkt haben sollten. (KP)

Barbon, Nicholas (1640-1698), englischer Geschäftsmann, Spekulant, Arzt und Ökonom, der ein riesiges Vermögen nach dem Wiederaufbau Londons nach seinem Grossbrand machte und sich in seiner zweiten Lebenshälfte mit ökonomischen, insbesondere Geldfragen beschäftigte, wie viele seiner Ärztekollegen (William Petty, John Locke). Als einer der ersten interessierte er sich für das Versicherungswesen und schrieb über den Freihandel. Er kritisierte den Merkantilismus wegen seinem Festhalten am „Bullionismus“ (Reichtum = Edelmetall) und plädierte für eine Teildeckung der Geldemissionen durch die Bank of England. Als einer der ersten verstand er den Zins nicht als ein Ertrag des Geldes, sondern der durch Geld ermöglichten realen Ressourcenverwendungen. Insofern betrachtet ihn Keynes als einer seiner Vorgänger.  

Bataille, Georges (1897-1962), französischer Essayist und Schriftsteller, der im Gefolge von Marcel Mauss‘ „Versuch über die Gabe“ in seinem Buch Der verwunschene Part, eine Gesellschaftstheorie aufbaut, in welcher Souveränität darin besteht, nicht wie bei Carl Schmitt, über den Ausnahezustand zu befinden, sondern alles (wie im Potlatch-Zeremoniell) opfern zu können. Insofern eine Gesellschaft nur überstehen kann, wenn sie ihre Überschüsse zerstören kann (Überschüsse sind potentielle Konfliktherde), hat er eine Anti-Ökonomieals Verschwendungstheorie entwickelt, die in Avantgarde-Kreise grossen Anklang fand. In seiner heutigen Rezeption geht das Argument dahin, die Überreichen dazu anzuhalten, ihre immensen Reichtümer systematisch zu verschwenden. Cum grano saliskann man an George Soros denken. Nur so könnte man die Implosion unserer Gesellschaft vermeiden.    

Baudrillard, Jean(1929-2007), französischer Soziologe und Philosoph, der stark durch den kanadischen Medientheoretiker Marshall McLuhan geprägt wurde. Er versucht das Marx’sche System dadurch zu überwinden, dass er den Waren ihren Warencharakter abspricht und stattdessen nur noch von Zeichen, gar von Simulakren spricht. Auch Geld ist zu einem Simulakrum geworden, dessen Wortlaut weitgehend usurpiert ist. Zu Marxens Zeiten hatte Geld noch einen Sinn; heute ist es zu einem unkontrollierbaren Universum geworden, welches als Tauschmedium durch operationale Regeln überwunden worden ist. Schon im Jahre 1983 sprach B. vom postmonetären Zeitalter, aber nicht im heutigen Sinne als Überwindung der monetären Zwänge, sondern als pure Auflösung seiner selbst in einer zum Selbstzweck gewordenen Zirkulation der Simulakren.

Bendixen, Friedrich (1864-1920), deutscher Bankier und Nationalökonom, einer der ersten Anhänger von G.F. Knapps Chartalismus. Sein Versuch Knapps Chartalismus mit der Grenznutzenehre zu vereinbaren scheiterte. Mit zahlreichen anderen Geldtheoretikern (s. Robert Liefmann, Karl Helfferich) richtete er ein heilloses theoretisches und vor allem praktisches Durcheinander an, das massgeblich für die erratischen Reaktionen der Reichsbank während der Krisenzeit nach dem Ersten Weltkrieg verantwortlich ist und zu mehreren Hyperinflationen geführt hat.  

Benjamin, Walter (1897-1940), deutscher Philosoph und Essayist, massgeblicher Genius der ersten Frankfurter Schule, in dessen Essay „Kapitalismus als Religion“ der Kapitalismus nicht als Säkularisierungsprozess der göttlichen Transzendenz, sondern als Religion im vollem Sinne des Wortes dargestellt wird. Dieser kleine Essay hat zu zahlreichen Interpretationen und Variationen stattgegeben. Nicht Geld ist darin als Gottesersatz zu sehen, wie oft heute behauptet (u.a. Deutschmann, Falk Wagner, Türcke), sondern ist eine immanente Kraft in einem zur Transzendenz neigenden kapitalistischen Weltsystem.

Bennett, David (...), australischer Philosoph, der zur Denkschule des new economic criticismgerechnet werden kann. Wie Goux, Shell und McCloskey geht er in seinem Buch The Currency of Desire (2016) von einer „strukturellen Homologie“ zwischen Geld, Wunsch, Sex und Symbolik aus und rekonstruiert die Entwicklung der Konsumgesellschaft entlang der Entwicklung des Geldphänomens. Für ihn ist letzteres jedoch nicht bestimmend, sondern eingebettet in seine soziokulturellen Kontexte, und dient sozusagen als Kristallisierungspunkt der neuzeitlichen Wunschökonomien. (KP) 

Bentham, Jeremy (1748-1832), englischer Philosoph und Sozialreformer, Begründer des ersten Utilitarismus‘, d.h. einer Ethik wonach eine Handlung dann moralisch richtig ist, wenn sie den aggregierten Gesamtnutzen, d. h. die Summe des Wohlergehens aller Betroffenen, maximiert. William Jevons zufolge ist B. der eigentliche Initiant des Nutzenbegriffs. Im Namen dieser Ethik propagierte B. eine Befreiung des Wuchers, ging insofern über Adam Smith hinaus, als er für eine völlige Befreiung des Wucherzinses plädierte. Der Disput zwischen Smith und Bentham unterliegt unterschiedlichen Prämissen: während Smith die negativen Auswüchse des Wuchers auf ungezügelte Leidenschaften zurück führt, bestehen sie laut B. lediglich auf Schwierigkeiten des ökonomischen Kalküls. (KP) 

Berkeley, George (1685-1753), englischer Philosoph und anglikanischer Bischof, philosophisch das Bindeglied zwischen Locke und Hume. Für B. bestehen keine Ideen und auch keine Materie, sondern nur Wahrnehmungen. Um den Atheismus zu bekämpfen entwickelt er einen Anti-Materialismus als reinen Idealismus, der auch seine Konzeption von Geld stark beeinflusst: wie später John Law und Benjamin Franklin, tritt er für das Papiergeld ein, predigt aber gleichzeitig die Tugenden der Enthaltsamkeit. Er übernimmt die merkantilistische Doktrin des Geldes als einer treibenden Wirtschaftsmacht, die auch über Kredite die Grundübel wie Armut und Kriminalität zu beseitigen helfen sollte. (KP)

Biel, Gabriel (1420 o. 1425-1495), deutscher Theologe und Philosoph, Bindeglied zwischen Scholastik und Protestantismus, vertritt wie Oresmius die Position, dass das Geld nicht (wie es noch Thomas von Aquin dachte) dem Souverän gehöre, dieser also mit ihm machen könne was er wolle, sondern der Gemeinschaft. Zwar könne sich der König über die Seigneuriage finanzieren, müsse aber die Verwaltung des Geldes der Gemeinschaft überlassen, könne jedoch die entgangenen Vorteile der Geldhoheit über ein Steuerwesen kompensieren. (KP)  

Binswanger, Hans-Christoph (1929-2018), bekannter Bank- und Geldtheoretiker aus der Schweiz, langjähriger Professor an der HSG, der durch seine Interpretation von Goethes Faust IIdie Thematik der „Geldschöpfung aus dem Nichts“ wieder in Schwung brachte. Auch sein grosser Einsatz in der Ökonomie/Ökologie-Debatte (Die Wachstumsfalle) muss unterstrichen werden.

Binswanger Mathias (1962), Schweizer Nationalökonom, Autor zahlreicher pädagogisch gestalteter Bücher über Wirtschaftsprobleme; vertritt und kritisiert wie sein Vater die zu enge Verkoppelung zwischen (privater) Geldschöpfung und Wachstumszwang, indem er auf die Inkonsistenzen innerhalb der SFC-Modelle (s. Copeland) hinweist. 

Bjerg, Ole (...), dänischer Geldphilosoph, Autor eines vielbeachteten Buches Making Money(2014), in welchem er der Natur des Geldes auf die vom Philosphen Slavoj Zizek und dem Psychanalytiker Jacques Lacan benützte Dreiteilung „Imaginäres – Reales – Symbolisches“ nachgeht. Ihm zufolge ändert sich die Natur des Geldes mit jedem gesellschaftlichen Wandel. Er plädiert im Rahmen des britischen Thinktanks Positive Mondey  für eine verstärkte Rolle der Zentralbank, die auch Kryptowährungen emittieren sollte. Steht auch David Graeber nahe, kritisiert aber Grabers zu stark betonte Rolle der Gewalt im Geldphänomen. (KP)  

Black Meyer (1938-1995), Myron Scholes (1941) & Robert C. Merton (1944), amerikanische Ökonomen und Mathematiker, die, auf den Arbeiten Mertons basierend, das Black & Scholes-Modell, ein finanzmathematisches Modell zur Bewertung von Finanzoptionen entwickelten und dadurch sur Schaffung und zum Boom der Derivatenmärkte beitrugen. Sie haben dafür den Wirtschafts-Nobepreis im Jahre 1997 erhalten. Ihr Modell ist jedoch sehr umstritten, theoretisch (s. Appadurai, Mandelbrot) wie praktisch.  

Bloy, Léon (1846-1917), kaum ein anderer Autor hat das Geld so verflucht wie Bloy, französischer Pamphletist und Schriftsteller, der in ihm das „Blut der Armen“ sieht, aber auch das zentrale Indiz des Verfalls einer symbolischen Ordnung, in der auch die Sprache an Wert verliert. Man kann in ihm den wohl exaltiertesten Vertreter des „Anti-Mammonismus“ sehen, wo nur noch die Diabolik des Geldes zur Geltung kommt.  

Bockelmann, Eske (1957),deutscher Germanist, hat mit seinem Buch Im Takt des Geldes (2004) gezeigt, wie die Monetarisierung zu Beginn des 17. Jahrhunderts die Wahrnehmung des Taktrhythmus grundlegend verändert hat und damit die Basis für eine neue historisch-kritische Lektüre des modernen Geldes (das nur diesen Namen verdient) gelegt.

Bodin, Jean (1529 o. 1530-1596), französischer Philosoph und Rechtsgelehrter, Begründer der Souveränitätsidee des Staates und damit des Verfassungsrechts; in seinem Streit mit Malestroit um die Gründe der damaligen Inflation, verwirft er seine Münzverschlechterungs-Hypothese und erklärt diese Inflation durch den Zufluss des amerikanischen Goldes. Damit ist er (mit Azpilcueta und Kopernikus) einer der Begründer der Quantitätstheorie des Geldes. Wichtig ist auch seine Befürwortung des Freihandels und gilt als Vordenker des französischen Merkantilismus‘. 

Boehm-Bawerk, Eugen von (1851-1914), österreichischer Ökonom und Finanzminister, Schüler Carl Mengers und Friedrich von Wiesers. Einer der grössten Kritiker von Marx‘ Werttheorie, der nicht auf ideologischer, sondern auf logisch-ökonomischer Ebene argumentiert. B. deckt als erster bei Marx das sog. Transformationsproblemauf. Während in Bd. 1 des Kapitalder Wert einer Ware auf den Wert der Arbeitskraft zurück geführt wird, rechnet Marx in Bd. 3 die durchschnittliche Profitrate des Kapitals dazu. Was Marx als ein „Problem“ bezeichnet, bezeichnet B. als eine grundsätzliche Inkohärenz, die für Marx‘ Lehre fatal ist. Davon ausgehend will B. beweisen, dass Marx‘ gesamte Werttheorie sowohl undurchführbar als auch begrifflich konfus ist. B. hat auch die Idee des „produktiven Umwegs“ geprägt und daraus den Begriff der Investition näher definiert. Eine Investition ist eine Verlängerung des Produktionsprozesses mit dem Ziel einer überproportionalen Erhöhung der Produktivität. Auch das ist als Kritik an Marx‘ Werttheorie zu verstehen: der Mehrwert wird nicht allein durch Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft erzielt, sondern immer massiver durch die Velängerung produktiver Umwege. (KP)  

Bohannan, Paul (1920, 2007), amerikanischer Anthropologe, der als erster bei den Tiv (Nigeria) auf verschiedene Tauschkreise (spheres-of-exchange) hinwies, wobei jeder Tauschkreis sein spezifisches „Geld“ (special-purpose-money) besass. Die Konvertibilität dieser „Gelder“ ist streng geregelt. Die Abgrenzung dieser Tauschkreise dient der Präservation jedes Kreises, der Vermeidung von Überakkumulation und der Bildung von Monopolen, und befördert somit die gemeinschaftliche Kohäsion. (KP)  

Böhringer, Hannes (1948), deutscher Hochschullehrer (Philosoph), hat sich in seinem Buch Moneten(2000) auf seiner „Suche nach Einfachheit“ auch mit dem hauchdünnen Unterschied zwischen Kunst und Geld beschäftigt. Seine Frage: was rettet Kunst gegenüber der Vereinnahmung durch Geld? Mit einer Reihe an Simmel und Benjamin erinnernden Essays, versucht B. diese minime Differenz herauszuarbeiten. (KP)

Bolz, Norbert (1948), deutscher Medientheoretiker, dessen Devise in Gelddingen, „wo Geld fliesst, fliesst kein Blut“ das Programm seines umstrittenen „Konsumismus“ liefert. Statt hehrer Ziele und Werte, die nur Blut, Gewalt und Enttäuschungen gebracht hätten, sei die Konsumgesellschaft das wirkliche und besänftigende Resultat der Säkularisierung. Wie Baecker plädiert auch er für ein „postheroisches“ Zeitalter, das keine grossen Versprechungen mehr macht, sondern versuchen soll, so gut es eben geht, jedem das seine zu geben. Geld ist dabei kein Gottesersatz, sondern nur ein bequemes Mittel dazu.  

Borneman, Ernest (1915-1995), deutscher Psychoanalytiker, Verfasser des Midas-Komplexesund Herausgeber einer Psychoanalyse des Geldes(1973), übernimmt Freuds (niemals erhärtete) Intuition über den Analcharakter des Geldes (Geld = Kot) und entwickelt sie nach marxistisch „kritischem“ Muster weiter. Vieles weist darauf hin, dass dies ein Holzweg in der Erforschung der psychischen Bedingungen und Konsequenzen des Geldkomplexes ist. (KP) 

Bourgeois-Gironde, Sacha (1968), französischer Philosoph und Ökonom, der sich intensiv mit den neurowissenschaftlichen Grundlagen des Geldes beschäftigt. Eine seiner Fragen: da Geld genetisch nicht oder sehr wenig codiert ist, ist es überraschend, dass die Menschen schneller ein „wahres“ (geltendes) von einem falschen (unbrauchbaren) Geld unterscheiden können als z.B. zwischen roher und gekochter Nahrung, dessen Codierung genetisch viel älter ist als das Geld.

Boyer, Robert (1943), französischer Ökonom, mit Michel Aglietta, Bernard Billaudet und André Orléan u.a. ist B. einer der wichtigsten Begründer der „regulationistischen Schule“, die sich nach der Krise der Wirtschaftswunderjahre in den frühen 1970ern mit den Ursachen dieser Krise und den Regeln wirtschaftlicher Restrukturierung befasst. Diese Schule versteht sich als Synthese marxistischer und postkeynesianischer Ansätze, integriert aber auch historische und soziologische Analysen, um die institutionellen Bedingungen der makroökonomischen Regeln, die den Wirtschaftsprozess strukturieren, zu studieren. Sie fasst deshalb das Geld als eine zentrale soziale Institution auf, dessen Natur jeder jeweiligen Wirtschaftsstruktur unterliegt. So das durch Privatbanken geschaffene Kreditgeld in der Wirtschaftswunderzeit, welche die Geldpolitik der Zentralbanken massgeblich veändert und eingeschränkt hat. Da ihr Enfluss auf das Geldangebot gesunken ist, sieht sie sich immer mehr in der Rolle des lender of last resortund als regulierende Instanz, welche die Rahmenbedingungen und Regeln der Finanzwelt festlegen muss. Über Keynes hinausgehend sehen sie die zentrale Rolle des endogenen Geldes im kapitalistischen Akkumulationsprozess. (KP)

Boyer-Xambeu, Deleplace Ghislain & Lucien Gillard, französische Ökonomen und Historiker, Autoren des bahnbrechenden Buches Monnaie privée et pouvoir des princes (1986). Darin zeigen sie auf, wie im 16. Jahrhundert das Geld in Form privater Wechselzirkulation ein autonomes System ausgebildet hat. Dieses System kennt zwei Pole: multinationale Kaufmannsfamilien mit ihren privaten „Papieren“ und der sich formierende Nationalstaat mit seiner Münzhoheit. Beide treffen konfliktreich aufeinander in Handelsmessen, wie den Messen von Lyon und später Bisenzone. Ein Jahrhundert vor den ersten Banken beginnt sich das moderne Geld als private Recheneinheit durchzusetzen und stösst dabei auf die Widerstände eines Souveräns, der seinen Prunk und seine Kriege weiterführen möchte. Die genaue Analyse der Messen von Bisenzone geben diesem Buch eine empirisch einzigartige Grundlage. (KP)

Braun, Christina von (1944), deutsche Kulturtheoretikerin und Filmemacherin, vertritt in ihrem Buch Der Preis des Geldes(2012) folgende These: Es gibt unter Ökonomen einen breiten Konsens darüber, dass das Geld keiner Deckung bedarf. B. vertritt die Gegenthese: Das moderne Geld, das keinen materiellen Gegenwert hat, wird durch den menschlichen Körper 'gedeckt'. Das erklärt die extrem unterschiedlichen Entwicklungen der Einkommen im Finanzkapitalismus wie auch die Monetarisierung des menschlichen Körpers: im Söldnerwesen, der Prostitution, dem Organhandel, dem Sport oder der Reproduktionsmedizin. Diese moderne Beglaubigung des Geldes ist schon im sakralen Ursprung des Geldes angelegt, das nach einem Opfer verlangt, um 'fruchtbar' zu werden und sich vermehren zu können. Weil beides, sowohl die Opfer- als auch die Inkarnationslogik des Geldes in den christlichen Heilslehren - mit Kreuzigung und 'Fleischwerdung des Wortes' - ihre Entsprechung fand, wurden die christlichen Lehren zum idealen kulturellen Nährboden für die Entwicklung der Geldwirtschaft und die Entstehung des Kapitalismus. (KP)

Breithaupt, Fritz (1967), deutscher, in den USA (Bloomington) lehrender Germanist, der in seinem Buch Der Ich-Effekt des Geldesden beiden Schibboleths der Moderne, Geld und Individuum, nachgeht. Es mehren sich 20 Jahren die literaturwissenschaftlichen Untersuchungen des Geldphänomens (s. Goux, Hörisch, Shell), die v.a. im Rahmen des new economic criticismsich einen Namen gemacht haben. In diesem Rahmen formuliert auch B. seine Hypothese, wonach Geld und Individuum zwei höchst instabile Phänomene sind, sie aber insofern ein Paar bilden, als jedes die Instabilität des anderen Phänomens zu kompensieren sucht; um jedoch den Schein von Individualität (der ich-Effekt) zu wahren, zieht sich das Geld zurück. Von ihm wird so wenig wie möglich gesprochen, wobei zu vermuten ist, dass je grösser sein Verschwinden desto grösser seine Macht in der Ausbildug der Individualität. Sprechen tut man wenig über das Geld, dafür wird um so mehr über es geschrieben. Immer zahlreichere Schriftsteller werden diesbezüglich durch die monetäre Linse gelesen (s. Armin, Balzac, Keller, Musil usw.). (KP) 

Brodbeck, Karl-Heinz (1948), deutscher Ökonom und Philosoph, einer der wichtigsten Geld-Denker seiner Generation, Autor zahlreicher Texte, darunter eines monumentalen Buches Die Herrschaft des Geldes (2008), in welchem er sich kritisch vom ökonomischen Mainstream und auch von der cartesianischen Philosophie absetzt. Für B. überlagert das Geld die sprachliche Logik und wird dadurch zu einer Denkform, die nicht nur das Quantitätsdenken einsetzt, sondern in Form von Zins und Zinseszins Gier zur Triebfeder menschlichen Handelns lassen wird. 

Brough, William (1826-1870), amerikanischer Ökonom, der in The Natural Law of Money (1896), das Gresham’sche Gesetz (s. Gresham) widerlegt, indem er zeigt, dass es nur auf staatliches Geld bezogen werden kann. Im Falle von privat emittiertem Geld, würde das Gegenteil stattfinden: das schlechte würde vom guten Geld verdrängt. Unabhängig der „Österreicher Schule“ bricht er damit eine Lanze für die Privatisierung des Geldangebots. (KP)  

Brunhoff, Suzanne de (1929-2015), französische Ökonomin, eine der ersten, die mit der „offiziellen“ (dogmatischen) marxistischen Warenkonzeption des Geldes bricht und in Marx‘ Werk nach Spuren einer heterodoxen Geldtheorie sucht. Sie geht zwar so weit, in Marx einen Vorläufer von Knut Wicksells und J.M. Keynes‘ Konzeption eines „endogenen“ Geldes (d.h. als partielle Produktivkraft) zu sehen, bleibt aber Marx treu, indem sie den Geld- dem Kapitalbegriff unterordnet. (KP)   

Bruni, Leonardo (um 1370-1444), florentinischer Kanzler, inoffizieller Wirtschafts- und Kulturminister Cosimo de‘ Medicis, Übersetzer der wichtigsten ökonomischen Schriften Aristoteles‘. Für ihn werden Geld und Geldreichtum insofern salonfrei (non olet), als sie „guten Zwcken“ (Bürgerwohl, Kultur, Bildung) dienen können. Insofern bildet er eine kulturelle Front gegen die anti-merkantile Auffassung der Scholastik. 

Buchan, James (1954), der (adlige) schottische Schriftsteller und Historiker hat 1997 ein Buch mit dem Titel Frozen Desirespubliziert, das einen realistischen Einblick in die neue Börsenwelt (der Derivate usw.) ermöglicht, zudem eine detailreiche Rekonstruktion der Geldgeschichte und ihrer Theorien gefliefert, letztlich aber einer Diabolisierung des Geldes stattgegeben, die ganz in der Linie des konservativen Kulturkritiker Thomas Carlyle steht, dessen „cash nexus“ auch Marx übernommen hat. (KP) 

Buridanus, Johannes (1292-1363), französischer Gelehrter und Philosoph, der, basierend auf seinen Kommentaren von Aristoteles‘ Schriften über die Wirtschaft, als erster das Problem der Münzverschlechterung erkannte und den Herrschern empfahl, an deren Stelle ein Steuersystem aufzubauen. Einer der ersten und wichtigsten Gelddenker des Mittelalters, der grossen Einfluss auf die nachkommende Generation (u.a. mit Oresmius und Gabriel Biel) ausübte und begann, sich von den moralischen Bestimmungen der Scholastik, ins Thomas von Aquins zu lösen.

Burke, Kenneth (1897-1993), amerikanischer Philosoph und Rhetorikforscher, hat als erster die Spannung zwischen der Diabolik und der Symbolik des Geldes thematisiert. Auf ihn beruft sich Luhmann, doch B. erfasst anders als Luhmann die Diabolik als durch tierische Triebe und die Symbolik als durch ein Streben zum Unendlichen bestimmte Spannung. In seinem Buch A Grammar of Motives(1945) entwickelt er eine Philosophie der Denkformen, die meine (s. Haesler) eigene Vorstellung von „Sozialgrammatik“ massgeblich beeinflusst hat. (KP)

Burstein, Meyer Louis (1926), amerikanischer Ökonom (Evanston), Autor umfangreicher geldtheoretischer Lehrerbücher, darunter Money (1963, 11. Aufl.) und Modern Monetary Theory (1986). Gilt als einer der Vorgänger der new-monetary-theory(NMT) (s. Wray, Lerner).

Callataÿ, François de (1961), belgischer Archäologe, Historiker und Essayist, der auf dem Gebiet der Numismatik die langfristig-quantitative Münzforschung zu ihrem Durchbruch verholfen hat. Insbesondere in der hellenistischen Münzkunde sind ihm entscheidende Entdeckungen zu verdanken, die es heute möglich machen, die Numismatik zu einer Wissenschaft zu machen, die einen Dialog zwischen Forschern der traditionellen Welten (Archäologen) und der Moderne (Ökonomen, Soziologen) ermöglicht. (KP) 

Calvin, Jean (1509-1564), protestantischer Reformator, der in seiner Prädestinationslehre im Gegensatz zu Luther nicht das gute Werk als Gnadensunterstützung anpries, sondern den materiellen Erfolg. Dies sei ein Zeichen göttlicher Gnade. Dadurch erhielt das Geld eine moralische Rehabilitierung, die sich bei Calvin auch in den Zinsdebatte niederschlug. Als erster christlicher Theologe (mit Martin Bucer) gestattet er den Geldzins, doch nur im Rahmen strikt zu befolgender Regeln. Er durchbricht damit ein jahrtausendaltes Verbot, was Max Weber dazu veranlasst, zwischen dem Calvinismus und von ihm beeinflusste puritanische Sekten einerseits und dem Kapitalismus andererseits eine Wahlverwandtschaft zu vermuten. (KP)

Cantillon, Richard (um 1680-1734), irisch-französischer Financier und Ökonom, der sich dank John Laws Experiment massiv bereichert hat (s. Law). Einflussreicher Autor in der Physiokratie (s. Quesnay), ist C. mit William Petty, Dudley North und Condillac eine Bindeglied zwischen Merkantilismus und der ökonomischen Klassik. In seinem einzigen Buch Essai sur la nature du commerce en général(1755) nimmt er zahlreiche Themen der Klassik vorweg, wie der Preisbildungsprozess, die inflationäre Wirkung von Zahlungsbilanzüberschüssen, die Rolle des Unternehmers sowie zwei wichtige Geldgesetze: die Rolle der Zirkulationsgeschwindigkeit und die wellenförmige Ausbreitung von Geldinjektionen (der Cantillon-Effekt) von Sektor zu Sektor.    

Cartelier, Jean (1942), einer der wichtigsten Geldtheoretiker Frankreichs, von der marxistischen Theorie herkommend, die Kreislauftheorie Bernard Schmitts (s. Schmitt) mit einem bahnbrechenden Buch (zusammen mit Carlo Benetti) integrierend, hat er sich durch seine Studien des Lohnverhältnisses und des Belohnungssystems der Schule der Regulationisten (s. Boyer) genähert und eine Institutionentheorie des Geldes aufgebaut. Als Autor zahlreicher geldtheoretischer Bücher gehört er zur Generation der Postkeynesianer, welche die Auswirkungen des ‚endogenen‘ Geldes nicht nur im Rahmen der modernen Wirtschaft, sondern als gesamtgesellschaftliches Phänomen kritisch erforschen; Cartelier hat insbesondere Kritik am Warencharakter der menschlichen Arbeit geübt und kann deshalb der Filiation von Karl Polanyi zugeschrieben werden. Durch seine historischen und theoretischen Arbeiten kommt Cartelier dem was man eine Geldwissenschaftnennen könnte am nächsten. 

Cassel, Gustav (1866-1945), schwedischer Ökonom, Begründer mit Knut Wicksell (s. Wicksell) und David Davidson der Schwedischen Schule der Nationalökonomie, Lehrer von namhaften Nobelpreisträgern wie Gunnar Myrdal und Bertil Ohlin, Lord Keynes sehr nahestehend, beteiligte er sich aktiv an den Diskussionen in der Zwischenkriegszeit zur Wiederherstellung einer stabilen Währungsordnung und schlug vor, anstelle einer Goldparität sie an einer Kaufkraftparität des Geldeszu orientieren. In einer Kontroverse mit Wicksell sieht Cassel zwar die Nichtneutralität des Geldes, die bei tiefem Zinssatz kurzfristig einen realen kumulativen Prozess einleitet, dadurch aber dass sich der Kapitalzins anschliessend an den Kreditzins angleicht, endet wiederum dieser kumulative Prozess.

Castronova, Edward (1962), amerikanischer Kommunikationsforscher und webgame-Designer, einer der führenden Spezialisten im Bereich des virtuellen Geldes (Virtual Economies[2002]). In einem Zeitalter, in dem staatlich emittiertes Geld immer geringer, privat emittiertes Digitalgeld immer bedeutender wird, will er durch entsprechende Netzwerktechniken die immer weiter zunehmende monetäre Anarchie durch Spielprogramme organisieren, ohne der digitalen Welt ihre Vitalität zu nehmen. Besonders hervorzuheben sind seine zwei letzten Bücher Wildact Currency(2014) und (mit Vili Lehdonvirta) Regulating Markets(2015). 

Child, Josiah (1630-1699), englischer Händler und Ökonom, Hauptaktionär der Ostindischen Gesellschaft, die zu einem zentralen politischen Akteur vor der Stuart-Zeit wurde; Autor diverser Traktate, in welchen er dezidiert für den Freihandel eintrat, aber auch für eine Politik der tiefen Zinsen, die ihm zufolge den Erfolg der Niederlande begünstigten. Gegen den Merkantilismus wandte er sich gegen die Akkumulation von Edelmetallen als Ursache des Reichtums der Nationen und sah die Notwendigkeit ausgeglichener internationaler Handelsbeziehungen. 

Clavero, Bartolomé (1947), spanischer Rechtshistoriker, der die katholischen Quellen der abendländischen Ökonomie und ihres Erfolgs in seinem Buche Antidora. Antropología Católica de la Economía Moderna (1994)untersucht und dabei paradoxerweise ein Phänomen aufspürt, die antidora, das im Gegensatz zu seinem ursprünglichen Vorhaben und zu Rodney Starks (s. Stark) Thesen, diesen Erfolg gänzlich unterminierte. Clavero wollte ursprünglich wie Benjamin Nelson (s. Nelson) ein Buch über das Wucherzinsverbot schreiben, dessen Auflösung am Ursprung der „abendländischen Dynamik“ (Norbert Elias) stünde, stiess aber dann auf die Existenz der gnadenvollen (nicht-reziproken) Gabe, der antidora, dessen Ziel es war, den liquidativen Charakter (s. Znoj) von kontraktuellen Beziehungen zu vermeiden. Damit antwortet er kritisch auf Nelsons These von der durch die Befreiung des Wucherzinsverbotes bewirkten “universal otherhood“. 

Clower, Robert (1926-2011), amerikanischer, postkeynesianischer Ökonom, erster und wichtigster Kritiker der neoklassich-keynesianischen Synthese (s. Hicks, Samuelson) in Form des auch heute noch dominierenden IS/LM-Modells, dem er die Abwesenheit einer mikroökonomischen Fundierung vorhält, besonders in der Form der nach im benannten Restriktion (Clower constraint). Diese Restriktion unterstreicht die Notwendigkeit eines cash-in-advanceeines jeden Wirtschaftsakteurs, welche das durch die Neoklassik geforderte Gleichgewicht dieser Synthese unrealistisch werden lässt. 

Coeckelbergh, Mark (1975), belgischer, in Wien lehrender, Technikphilosoph, der sich vornehmlich mit Ethik und Robotern aus einer relationistischen Perspektive beschäftigt. In seinem Buch Money Machines(2015) warnt er vor dem Überhandnehmen der Finanzalgorithmen im Sinne einer Entrelationierung zwischen Mensch und Wirklichkeit, welche die ethische Verantwortung zusehends unterminiert. Er verneint aber insofern einen technologischen Determinismus, als es Menschen sind die Algorithmen entwickeln und fordert zugleich die Forschergemeinschaft auf, dagegen kreativen Widerstand zu leisten. 

Condillac, Etienne Bonnot de (1714-1780), französischer Philosoph und Pädagoge, führt den englischen Empirismus (Locke) in Frankreich gegen den Idealismus Descartes ein, indem er (wie Hume) den Menschen auf seine Wahrnehmungen reduziert (Sensualismus). Er hinterlässt ökonomische Überlegungen in Le Commerce et le Gouvernement(1776!), in dem er das für das 18. Jahrhundert zentrale Thema der wirtschaftlichen Rolle des Staates diskutiert. Während sein Freund Turgot noch den Physiokraten näher ist und sich mit der Landwirtschaft beschäftigt, widmet sich Condillac dem Handel und formuliert explizit die Regel des Positivsummenspiels. Wie Galiani vor ihm, wird Condillac zufolge der Wert durch Nutzen und Knappheit eines Gutes bestimmt. Condillac ist Quantitativist und einer der Vorgänger der liberalen Doktrin. 

Copeland, Morris (1895-1989), amerikanischer Ökonom und Statistiker, am Urspung der sog. SFC-Modelle, die u.a. von James Tobin, Hyman Minsky und neuerdings von Mathias Binswanger aufgenommen und weiter verarbeitet werden. Diese stock-flow consistent-Modelle basieren auf einem Kapitalfluss-Modell, das Copeland entwickelt hatte und das im Gegensatz zur Nationalen Buchhaltung nur die Geldflüsse als Veränderung der Geldstocks erfasst, also eine Berücksichtigung der Finanzströme auf Mikro- und Makroebene unternimmt. Über Keynes hinausgehend, deshalb dem Postkeynesianismus zuzurechnen, liefern diese Modelle eine empirische Basis, v.a. eine Mikrofundierung der Geldflüsse, welche die apodiktische Natur der von Keynes postulierten Geldgesetze zu überwinden hilft. 

Creutz, Helmut (1923-2017), deutscher Wirtschaftspublizist, der grossen Einfluss auf die Wiederbelebung der reformerischen Ideen Silvio Gesells hatte. Nach der Subprime-Krise erhielt sein 2009 veröffentlichtes Buch Das Geldsyndromeine grössere öffentliche Aufmerksamkeit. Ihm geht es um die Fortführung der sozialen Marktwirtschaft durch eine umfassende Geldreform. Insbesondere die Umverteilungsdisparitäten durch den Zinseszinseffekt sollten unterbunden werden.

Cuillerai, Marie (…), französische Philosophin, die sich im Gefolge der Werke des Philosophen Gilles Deleuze und des Psychoanalytikers Felix Guattari und im Rahmen der Geldtheorie von André Orléan (s. Orléan) der heute akut gewordenen Frage nach dem Wunsch nach Geld (s. Bennett, Klossowski, Deleuze) widmet. Es geht dabei nicht so sehr um den Wunsch nach Geld, sondern um die durch Geld transformierte Natur des menschlichen Wunsches. 

Dagognet, François (1924-2015), französischer Philosoph, hinterlässt ein immenses Werk (mehr als 70 veröffentlichte Bücher zu seinen Lebzeiten), ganz in der Tradition der französischen Wissenchaftstheorie (Bachelard, Canguilhem) stehend (Dagognet war auch Arzt), vertrat er die häretische These, dass man vom menschlichen Geist durch Nabelschau (cogito) weniger verstünde als durch das Studium der „Dinge“, welche dieser Geist hervorgebracht hat, somit diesen Geist nur durch den Umweg seiner Dinge erfassen könne. So auch das Geld, dem er eines seiner letzten Bücher, L’Argent. Philosophie déroutante de la monnaie  (2011) widmet.  In seiner „Objektologie“ stellt er das Geld an die oberste Stelle der Objekte (er unterscheidet Dinge, Gegenstände und Objekte, nach Massgabe der zunehmenden geistigen Investition darin), und unternimmt es, dieses oberste Objekt anhand der Philosophiegeschichte und des Lebens dieses Objekts nach seinen eigene Kategorien (Haut, Transfer, Materie usw.) zu untersuchen.

Dalton, George (1926-1991), amerikanischer Anthropologe (Northwestern University), Spezialist in Wirtschaftsanthropologie, einer der engsten Mitstreiter Karl Polanyis und Verteidiger einer substantialistischen Wirtschaftsanthropologie (die formalistische geht vom Menschbild der homo oeconomicus aus), hat über „primitives Geld“ geschrieben und gilt als einer der wichtigsten Geldanthropologen der vorletzten Generation.  Auch wenn Geld ein Zahlungsmedium ist, kann es nicht von jedermann und in jeder Art benutzt werden. Es ist sowohl an gewisse Statusvoraussetzungen als auch an das Einhalten gewisser Rituale gebunden. Auch hier ist die Verwendung des Begriffes Geld problematisch, denn es wird Geld im modernen Sinne erst, wenn seine drei Hauptfunktionen in völliger Anonymität vollzogen werden können. 

Davenant (d’Avenant), Charles (1656-1714), englischer Politiker und Ökonom, wandte sich in der Debatte des “great coinage” gegen die von Locke und Lowndes vorgeschlagene Umwandlung der alten, beschädigten Münzen in neue Silbermünzen (was 1696 schliesslich zu einer grossen Finanzkrise führte) und schlug dagegen vor, die Übertragung von Schuldbriefen zu erleichtern. Die Idee hinter diesem recoinage war die Finanzierung der Kriege gegen Frankreich, also eine verschleierte Münzverschlechterung. Durch sein Plädoyer für eine Liberalisierung der Schuldbriefzirkulation wurde Davenant einer der ersten Propagandisten des Kredit- via des Fiat-Geldes, weil er behauptete, dass nicht Edelmetall, sondern Vertrauen die Garantie der Kaufkraft des Geldes darstelle. Wie Petty, dessen Ideen er übernimmt und in die Praxis umsetzt (v.a. die Ausarbeitung einer öffentlichen Statistik in seiner „Political Arithmetik“), ist er ein Merkantilist mit starken Intuitionen, die zur ökonomischen Klassik führen werden. 

Davidson, Paul (1930), amerikanischer Ökonom, mit Sidney Weintraub einer der führenden Postkeynesianer. Nach der „neoklassischen Synthese“ (s. Hicks, Samuelson), die als Verwässerung von Keynes‘ Ideen wahrgenommen wurde, und der darauffolgenden monetaristischen „Gegenrevolution“, hat Davidson 1972 mit seinem Artikel „Money and the real world“ zur Offensive gegen die makroökonomischen Gleichgewichtsmodelle walrasianischen Ursprungs aufgerufen. Er versuchte die Thesen von der Neutralität des Geldes zugunsten einer kritischen Auseinandersetzung zwischen monetärem und realem Sektor zu bekämpfen. Seine Kritik wendet sich auch gegen die unrealistischen Annahmen dieser Gleichgewichtsmodelle. 

Defoe Daniel (1660-1731), englischer Autor von Erfolgsromanen, in welchen das Geldmotiv direkt (in Lady Roxana oder Moll Flanders) oder indirekt (Robinson Crusoe) erscheint. Defoe versucht in seiner vom Merkantilismus und zahlreichen harten Geldkontroversen gekennzeichneten Zeit die „auri sacra fames“mit seinen puritanistischen Werten zu verbinden. Sein wichtigster Gegenspieler ist der irische Autor Jonathan Swift, der auch in Geldaffären eine entgegengesetzte Haltung einnimmt. Für Defoe ist Geld nie ein Zweck als solcher, sondern immer nur ein Mittel, um ein anständiges Leben zu fristen.

Del Vecchio, Gustavo (1883-1972), italienischer Ökonom, der zur gleichen Zeit wie Irving Fisher (s. Fisher) den Versuch gemacht hat, den Geldfaktor ins Walrasianische Gleichgewichtsmodell zu integrieren. Er ist heute in Vergessenheit geraten, weil sein in deutscher Sprache erschienenes Buch Grundlinien der Geldtheorie(1930) mit grössten Mängeln behaftet ist und seinen Arbeiten in italienischer Sprache in keiner Weise entspricht. Wichtig sind seine Beiträge zur Zins- insbesondere zu seiner Diskonttheorie, die er nach dem Zweiten Weltkrieg als leitendes Mitglied des IWF zu verwirklichen versuchte. 

De Roover, Raymond (1904-1972) belgischer Geldhistoriker, dessen Hauptwerk L'Évolution de la Lettre de Change: XIVe-XVIIIe Siècles (1953) ein Meilenstein in der Erforschung der Geld- und Zinsgeschichte des Mittelalters darstellt. Nach Studien der Wechselgeschäfte in seiner Heimatstadt Brügge, widmet er sich der Bank der Medici, und als Professor in Harvard, erforscht er das System des Wechselverkehrs v.a. in Oberitalien. Er betrachtet die komplexen Wechseltechniken als Vorstufe zur Entwicklung des modernen Geldes, schenkt jedoch der parallelen mitlaufenden Entwicklung des Buchhaltungssystems zu wenig Beachtung. Seine Analysen werden heute kritisch weitergeführt (s. Izoulet). 

Deleuze, Gilles (1925-1995), französischer Philosoph, der mit seinem Freund, dem Psychoanalytiker Félix Guattari, das zweibändige Werk Capitalisme et schizophrénie(1972, 1980) verfasst hat. Sein Interesse für Geldtheorie ist wenig bekannt, jedoch hat sich Deleuze intensiv mit den Theorien von Bernard Schmitt (s. Schmitt) und Suzanne de Brunhoff (s. Brunhoff) beschäftigt und daraus überaus interessante Erkenntnisse erhalten. Im Gegensatz etwa zu Graeber (s. Graeber) entsteht das Geld nicht aus dem Faktum der Schulden und dem Geiste der Schuld, sondern aus der Institution eines Steuersystems. Jahre vor Graebers (s. Graeber) Bestseller, hatte Deleuze das Geld im Rahmen des Komplexes Schuld/Staat/Steuern derselben makrohistorischen Analyse unterzogen und viele der Kurzschlüsse Graebers unterlassen.    

Del Mar, Alexander (1836-1926), amerikanischer hoher Beamter und Ökonom, Autor eines umfassenden Werks zur Geldgeschichte und Geldtheorie, darunter The Science of Money(1885), das wegen der nicht-akademischen Laufbahn Del Mars völlig verkannt wurde. Er ist der erste, der die Entstehung des Geldes aus den Erfordernissen des Tausches in Zweifel zieht und dank seinen historischen Studien diese Entstehung aus der Messfunktion des Geldes als „unit of account“ erkennt. Ein Jahrhundert vor Friedman (s. Friedman) sieht er die Notwendigkeit einer staatlichen  Zentralbank (zu seinen Lebzeiten war es noch eine private Institution), welche als einzige Vertrauensinstanz die Kaufkraft des Geldes garantieren kann, beschränkt aber, wie Friedman, ihre Funktion auf das Geldangebot und die Überwachung der Geldmenge M1.  

deMause, Lloyd (1931), amerikanischer Psychoanalytiker, Begründer der Psychohistorie. Er hat aufbauend auf der von Marcel Mauss (s. Mauss) verwendeten Sinnverwandtschaft zwischen Gift (dt.) und gift(engl.) Geld als einen „Giftbehälter“ charakterisiert, der die konfliktuellen, mimetischen Spannungen in einem Kollektiv zu neutralisieren verhilft.  

Dempsey, Bernard (1903-1960), amerikanischer, jesuitischer Ökonom, der seine Doktorarbeit Interest and Usury (1943) bei Schumpeter geschrieben und auch bei Keynes das Interesse an den scholastischen Wirtschafsvorstellungen geweckt hat. Seine theologische Ausbildung liess ihn das Wucherzinsverbot weitgehend relativieren, denn der Geldzins sei nichts anderes als der Ausdruck des Risikos, welches der Kreditgeber gegenüber seinem Gläubiger zu ertragen habe. 

Derrida, Jacques (1930-2004), französischer Philosoph, Vater des Dekonstruktivismus, einer anti-hermeneutischen “Methode” (die Ausrufungszeichen verweisen darauf, dass selbst der Methodenbegriff in Frage gestellt werden muss), welche die Wirklichkeit als Text versteht, deren Sinn aber immer wieder entschwindet und entschwinden muss. Der menschliche Geist versucht jedoch dieses Schwinden durch Begriffspaare, wie z.B. Geld und Ware (s. Bockelmann) zu meistern (= in den Griff zu bekommen); dass es dabei immer nur zu Aporien kommen muss, dass also z.B. hinter dem Begriffspaar Geld und Ware ein Drittes, Ausgeschlossenes steckt, das festzustellen ist Gegenstand der dekonstruktivistischen „Methode“, die jede andere Form von Fest-Stellung als das ewige Schwinden oder Verschieben eines einmal Festgestellten verabschieden muss. Das Problem mit dem Geld ist seine „Stellung“ als „allgemeines Äquivalent“. Das stellt die Frage nach seiner Konvertibilität innerhalb der Zeichensysteme der Texte. Derridas Frage wird aber nicht sein, was in einer Epoche der allgemeinen Monetarisierung, d.h. der sich generalisierenden Konvertibilität der Fall ist, sondern welche Sinnzusammenhänge durch diese Konvertibilität wiederum entschwinden. Was hat z.B. keinen Preis? Wodurch wird diese Preislosigkeit ersetzt? Was ersetzt wiederum diesen Ersatz usw. usf. Seit dem Erscheinen des Aufsatzes „Numismatiques“ (1968:69) seines Schülers Jean-Joseph Goux, hat Derrida immer wieder mit dem Geld“begriff“ gerungen, d.h. mit der unabdingbaren Existenz eines allgemeinen Äquivalents, dessen Sinn alles andere schwinden lässt, nur sich selbst nicht. Mit dem Geld stösst Derrida, für den jede Sinnsuche mit Notwendigkeit immer in Aporien endet, auf eine Aporie in seiner eigenen Denkwelt. Das erklärt vielleicht auch, dass in seinem dem Geld gewidmeten Buch Donner le temps. 1. La fausse monnaie (1990) von Geld kaum die Rede und stattdessen von der Aporie des Geld Gebenssehr viel die Rede ist. 

Forstmann, Albrecht (1891-1957), deutscher Ingenieur und Nationalökonom, zuerst Parteigänger der NSDP, dann ausgeschlossen und von seiner i (Greifswald) suspendiert, Autor eines der ersten und meistgebrauchten Grundrisse über Geld und Kredit (1952) in der Nachkriegszeit, das auch internationale Aufmerksamkeit genoss. Kritisiert Keynes‘ Zinstheorie, unterstreicht aber die Notwendigkeit des Studiums internationaler Kapitalflüsse aus einer langfristigen Perspektive.

Gleeson-White, Jane (1961), australische Buchautorin, Verfasserin einer gut lesbaren Geschichte der doppelten Buchhaltung, Soll und Haben  (2012), in welchem sie der von Werner Sombart (s. Sombart) formulierten Hypothese, wonach die Buchungstechniken einen wesentlichen Einfluss auf die Herausbildung des modernen Kapitalismus hatten entlang der wechselhaften Geschichte des Fra Luca Pacioli (s. Pacioli) herausarbeitet. 

Goldberg, Herb (1937), aus Deutschland stammender, amerikanischer Psychologe, der, zusammen mit Robert Lewis 1973 das Buch Money Madnessveröffentlicht hat, welches als Inbegriff einer alltagspsychologischen Geldbetrachtung aufgefasst werden kann, dessen Konjunktur mit jeder Krise zugenommen hat. 

Goux, Jean-Joseph (1944), französischer Philosoph und Literaturwissenschaftler. Seit der Veröffentlichung seines bahnbrechenden Aufsatzes „Numismatiques“ (1968), ist Goux einer der wichtigsten zeitgenössischen Geldtheoretiker. Mit Mark Shell ist er einer der Initianten des new economic criticism. Vgl. das Sammelwerk von Martha Woodmansee & Mark Osteen (1999). Leider ist der Brückenschlag zu deutschen Autoren (wie Jochen Hörisch und Fritz Breithaupt) (noch) nicht gelungen.  

Habermas, Jürgen (1930), deutscher Philosoph und Soziologe. Einer der führenden Gesellschaftstheoretiker (der zweiten Frankfurter Schule) des 20. Jahrhunderts, dessen Kritik die Kolonisierung  menschlicher Lebenswelt durch das durch Wirtschaft und Politik gebildete „System“ begreift und die er hofft, durch die Verallgemeinerung einer Diskursethik regulieren zu können. Auf Parsons (s. Parsons) zurückgreifend, versteht er Geld als ein generalisiertes Kommunikationsmedium des Wirtschaftssystems 

Haering, Norbert (1963), deutscher Wirtschaftsjournalist (Handelsblatt), der in seinen zahlreichen Büchern die Gefahren der Abschaffung des Bargeldes darstellt und sich aktiv für ein Moratorium dieser Entmaterialisierung einsetzt. Seine Bedenken sind sozialer, wirtschaftlicher und ethischer, nicht aber kognitiver Natur. 

Haesler Aldo(1954), französisch-schweizerischer Soziologe und Wirtschaftsphilosoph, dessen erste Arbeiten den Versuch machten, den sozialen Wandel nicht produktivistisch sondern zirkulationistisch (durch den Wandel der Tauschformen) zu erklären, sodann die Formierung des modernen Geldes (ohne Anführungsstriche) innerhalb der modernen, d.h. als Positivsummenspiel gedachte Tauschform zu begreifen, und schliesslich in den Jahren 1971-1973 die Zäsur von der (weichen) Protomoderne zur Harte Moderne mit der Entmaterialisierung bzw. Entwirklichung des Geldes anlegte, von welcher (phänomenalen Perfektion) aus das Geld erst rekonstruiert werden kann. Für Haesler verwirklicht sich in der Harten Modernen das Geld als Gesellschafts- und als Denkform, in dem es sie seinen (bisweilen noch ungeschriebenen) Gesetzen unterwirft.     

Pérez, Christine (1952), französische, in Polynesien lehrende Altertumswissenschaftlerin und Anthropologin. Sie hat in ihrem grossen Werk Monnaie du pouvoir et pouvoir de la monaie (1986) versucht, Numismatik und Semiologie auf die Geschichte der römischen Münzen anzuwenden. Die Münzgestaltung und die Münzordnungen versteht sie als präzise Ausgestaltung der einzelnen Herrschaftsordnungen. 

Spufford Peter (1934-2017), englischer Historiker des Mittelalters (Cambridge), der die komplexen monetären (genauer: prämonetären) Austauschprozeduren im Handel im Spannungsfeld zwischen dem Hoheitsgeld des Fürsten (Gefahr der Münzabwertung, Seigneuriage), dem Geld als Recheneinheit (Notwendigkeit stabiler Tauschverhältnisse), der Zirkulation von Geldsurrogaten (Wechsel, Schatzbriefe u. dgl.) und der Wertmetallextraktion, insbesondere in der Zeit zwischen der im 13. Jahrhundert beginnenden „kommerziellen Revolution“ (de Roover), und der Vereinheitlichung (national und international) des Geldes als Recheneinheit untersucht hat. 

Tellmann, Ute (1971), deutsche Soziologin (Erfurt). In ihrem neuesten Buch Life and Money (2017) führt sie die Mängel der heutigen politischen Theorie auf eine ungenügende ökonomische Analyse, insbesondere des Geldes und des Lebens, zurück. Ihre Rekonstruktion geschieht entlang einer kritischen Diskussion von Malthus (Leben) und Keynes (Geld).

Wahren, Heinz-Kurt (1944-2015) deutscher Betriebswirt und Kommunikationsberater, Autor einer gut lesbaren Geschichte des Geldes, Geld, Gold und Kapitalismus (2018). Wie zahlreiche andere Autoren (s. Brodbeck u.v.a.m.) wird seit der subprime-Krise Geld mit Gier in einen engen Zusammenhang gebracht. Es ist ein Leichtes, sich über derlei Vulgärpsychologie lustig zu machen.

Xenophon (426 v.u.Z. – 350) Griechischer Philosoph und Armeeführer. Xenophon war einer der prominenten Schüler Sokrates‘, ein reicher Oligarch, Vater der ‚Dioskuren‘, der auch in den Kreisen der Sophisten verkehrte. Er gilt als Begründer der politischen Philosophie und war der erste, der über leadership, über die Kunst des Führens, geschrieben hat.  

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