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Gelddenker Einführung

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Die Grösse eines Denkens, sagte einmal der rumänische Philosoph, Constantin Noica, lasse sich daran messen, inwiefern es eine neue Idee in Umlauf gebracht hat; eine neue Idee, die folgenreich für die Erkundung der Welt und des Denkens selbst gewesen ist. Möge diese Idee auch absonderlich erscheinen, das wesentliche sei dabei, dass nach ihr die Welt und das Denken anders erscheint, als sie bislang gedacht wurden.

Das gilt auch für das Geld. Die Grösse bzw. die Wichtigkeit eines Gelddenkers liest sich daran, wie er eine originelle Idee zum Geld geliefert hat, die unser bisheriges Denken zum Geld in neue Bahnen geführt hat, als wir es gewohnt waren.

Das ist beim Geld besonders wichtig und zwar aus zwei Gründen: einmal gehört das «Rätsel Geld» zu den wohl undurchsichtigsten Denkmysterien, der sich die Menschheit seit seiner «Erfindung» stellen muss; und zweitens ist seine Erklärung durch Denkschablonen, Denkblockaden, Fehlannahmen, Falschableitungen, von ideologischen und kulturellen Alltagsweisheiten und Trivialitäten richtiggehend umstellt. Als dritten, vielleicht nicht zentralen Grund, könnten man Kopernikus‘ Idee zitieren, wonach von allen Gefahren, die eine Gesellschaft bedrohen, das Geld die wohl grösste Gefahr ist, weil es alle Teile einer Gesellschaft beeinflusst, aber vor allem, weil es unerkannt daher kommt und seine zerstörerischen Wirkung erst dann in Erscheinung tritt, wenn es zu spät ist.

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In dieser Hinsicht ist es nicht schlimm, falsche Ideen übers Geld zu formulieren; schlimm ist es, keine Ideen darüber zu haben. Falsche Ideen lassen sich diskutieren, keine Ideen aber ist die Sprache der Indifferenz. Das ist beim Geld ganz besonders der Fall. Nicht dass übers Geld nicht gesprochen würde. Jedermann macht sich einen Reim dazu, jeder glaubt zu diesem zweitwichtigsten Gegenstand nach Gott etwas sagen zu haben, jeder ist überzeugt es zu beherrschen, aber dieses Wissen ist meist eine Kakophonie von Trivialitäten, Klischees und leeren Behauptungen, die uns den Zugang zum Geld versperren. In dieser Kakophonie sind wahrhaft neue Ideen übers Geld eine grosse Mangelware.

Alle reden darüber, meist pathetisch und wortreich, doch nur ganz wenige können mit Bestimmtheit sagen, was denn dieser mysteriöse Gegenstand denn im Grunde auch ist.

Gelddenker sind keine Vor- sondern Nachdenker. Sie formulieren keine grossen Zukunftsprogramme, halten sich allgemein mit Szenarien, Zukunftsprognosen und Utopien zurück. Selbst Alternativdenker beschränken sich darauf, die schlimmsten Auswüchse der Chrematistik, der schlechten Geldwirtschaft, zu bekämpfen.

Als Nachdenker ist ihr Grundtenor meist … nachdenklich. Sie versuchen den geschichtlichen Weg des Geldes nachzuvollziehen; sei es die Art und Weise, wie Geld sich materiell verflüchtigt hat (Georg Simmel), sei es wie es eine Herrschaftsinstrument geworden ist (Karl Marx) oder sei es wie es ein Produktionsfaktor geworden ist (John M. Keynes).

Deshalb ist es uns wichtig erschienen, nicht nur die grössten, sondern auch die originellsten Geldgedanken und Geldenker zum Vorschein zu bringen.

Es sind manchmal Denkriesen wie Aristoteles, der darüber wegweisendes aber auch irreführendes gesagt hat, oder wie Goethe, von dem man annehmen müsste, dass er sich nur der schönen Künsten verschrieben hat, über das moderne Geld jedoch nahezu revolutionäre Gedanken verfasst hat, aber auch Randfiguren des Geisteslebens, Historiker, Anthropologen oder Psychologen, die vom grossen Publikum meist nicht bekannt sind.

Manchmal gebären grosse Denkgebäude unbedeutende Einsichten und Auswirkungen, manchmal aber haben unbedeutende Gedanken über das Geld und seiner Reform weitreichende Konsequenzen, wie das unerwartete revival des Schwundgeldes von Silvio Gesell bei heute führenden Ökonomen wie Gregory Mankiw oder Kenneth Rogoff attestiert.

Man wird vermutlich den beschränkten Platz bemängeln, den wir den Ökonomen zugewiesen haben. Aber dieser Platz antwortet nur auf den beschränkten Platz, den das Geld in ihren jeweiligen Werken angenommen hat. In den Standardwerken der Disziplin rangiert es weit hinten, und wenn es behandelt wird, besteht immer noch die Tendenz, es als ein aus dem Tausch entstandenes Medium (was faktisch falsch ist) zu verstehen. Diese Theorien des «Geldschleiers» sind auch heute noch präsent und zeigen, wie sehr das Geldthema verdrängt wurde.

Aus diesem Grunde haben wir heterodoxen Ökonomen den Vorrang gegeben. Wir sind heute im Zeitalter der Bargeldabschaffung, der cashless society. In kurzer Zeit wird all das, was wir spontan als Geld bezeichneten verschwunden sein. Der Gegenstand, an welchem sich unser Denken über fast eineinhalbtausend Jahre abmühte, wird unsichtbar geworden sein. Das führt unweigerliuch zu einer Revision unserer Vorstellungen über das Geld. Aus diesem Grunde möchten wir diesem Thema unser besonderes Augenmerk widmen.

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